Aktuelle Fernsehserien – besonders jene aus dem Kontext des ‘Quality TV’ – verbinden die entschleunigte Form literarischen Erzählens mit der kinetischen Wucht des Kinos und einer komplexen psychologischen Sicht auf ambivalente Charaktere. Auf diese Weise leisten sie für die Gegenwart, was die großen Romane und Romanzyklen von Balzac, Dickens oder Zola für das 19. Jahrhundert geleistet haben.
Siebzehn Beiträge von Literaturwissenschaftlerinnen und Literaturwissenschaftlern über unterschiedliche Serien demonstrieren die mediale Vielfalt des Mediums und verdeutlichen, welchen Beitrag ein philologischer Ansatz zur Betrachtung von (Fernseh-)Serien leisten kann. Die Bandbreite reicht hier von den ‘Gilmore Girls’ bis zu ‘Babylon Berlin’, von ‘The Sopranos’ bis zu ‘Boardwalk Empire’ und nicht zuletzt ‘Star Trek: Discovery’.
Tabella dei contenuti
Hans Richard Brittnacher / Elisabeth K. Paefgen
Vorwort oder: Erzählen in Literatur und Serie.
Was verbindet Homer mit David Chase, Amy Sherman-Palladino und Vince Gilligan?
Serie und Literatur
Elisabeth K. Paefgen
Roman in Anführungszeichen?
Filmisch-serielles und schriftlich-romanhaftes Erzählen
Wolfgang Bernard
Aristoteles und die GILMORE GIRLS
Bilder aus Amerika
Jürgen Heizmann
FARGO – Fast wahre Geschichten aus dem finsteren Herzen Amerikas
Achim Küpper
Vom Umschlagen der Bilder in die Sprache.
Traumatisches und Therapeutisches aus FARGO
Volker Pietsch
Eine Geschichte aus vielen Städten.
Urbane Räume in der epischen Literatur, in BOARDWALK EMPIRE und BABYLON BERLIN
Neue ‘Helden’ und ‘Heldinnen’ des Genres: Detektive, Anwälte, Profiler
David Frühauf
Den Bildern vertrauen.
Möglichkeiten der Nostalgie in THE SOPRANOS und MR. ROBOT
Michael Rohrwasser
SHERLOCK (Holmes)
Hans Richard Brittnacher
Iustitia – das Recht ist weiblich.
DAMAGES oder: So long, Perry Mason!
Nadja Israel
Über das Töten sprechen: MINDHUNTER
Gender
Melanie Lörke
ONE MISSISSIPPI: erzählen, werden, (über)leben
Birgit Ziener
Sequels, Prequels, gender troubles.
Kulturelles Spannungsverhältnis zwischen Serie und Hollywoodkino in BATES MOTEL
Utopien und Dystopien
Matthias Hurst
STAR TREK: DISCOVERY – Where No STAR TREK Series Has Gone Before?
Utopie in Wiederholungen und Variationen
Jost Eickmeyer
Gattungsmischung und Anarchie im All.
Philologische Bemerkungen zu Joss Whedons FIREFLY
Iulia-Karin Patrut
Träumen Androiden davon, Menschen zu sein?
Lars Lundströms Serie ECHTE MENSCHEN
Markus May / Richard Mathieu
Wer sind die WALKING DEAD?
Zu Ethik und Vergesellschaftung in der Zombie-Postapokalypse
Franz Kröber
Im Maschinenraum seriellen Erzählens.
Raum und Handlung in THE MAN IN THE HIGH CASTLE
Jonas Nesselhauf
‘Trust me, I’m a Psychopath.’
Die Serialität des Bösen in JEKYLL
Beiträgerinnen und Beiträger
Circa l’autore
Hans Richard Brittnacher ist Professor für Neuere deutsche Literatur an der Freien Universität Berlin. Seine Arbeitsschwerpunkte sind u.a. die Intermedialität des Phantastischen, Literatur der Alterität, Populär- und Genrekultur.
Elisabeth K. Paefgen ist Professorin für Didaktik der Deutschen Sprache und Literatur am Institut für Deutsche und NIederländische Philologie der FU Berlin. Promotion über die Geschichte des ‘Echtermeyer’, einer Gedichtanthologie, die seit 1836 erscheint. 1994 Habilitation mit einer Arbeit über Lesen und Schreiben.